Mise-en-Scène

Der Film erzählt die Geschichte aus der Sicht von Rita Seidel, auch wenn durch eine zusätzliche, weibliche Off-Stimme eine dritte Person herangezogen wird, die den Verlauf der Geschichte dokumentiert. Geprägt von tiefsinnigen, zum Teil emotionalen Diskussion über die Rolle des Menschen und die verschiedenen Wirtschaftssysteme diskutiert der Film die Thematik der Mauer auf eine, für damalige Verhältnisse, sehr neutrale Art und Weise. Die Struktur des Filmes gliedert sich somit in 2 Ebenen.

  1. Handlungsebene: Erzählung aus Ritas Perspektive
  2. Reflexionsebene: Voice-Over Kommentare einer dritten Erzählerin

In der ersten Ebene wird die Geschichte aus Ritas Perspektive und daran geknüpft ihren Erinnerungen erzählt.

Die zweite Ebene ist globaler und dient der Reflexion, dabei wird Ritas innerer Konflikt dargestellt. Die Liebe zu Manfred, der sich zwar immer mehr auf sie einläßt, aber sich dennoch nach Westdeutschland absetzt. Geschockt und verletzt zugleich entscheidet sich Rita dazu in der DDR zu bleiben. Seine Versuche, Rita für Westdeutschland zu begeistern scheitern, da es sich bei Beiden um grundlegend andere Weltbilder handelt.

Gerahmt wird der Film von einem Prolog sowie Epilog. Der Prolog wird von der Erzählerin genutzt, um die Krisenstimmung im Sommer 1961 vorherzusagen. Dabei wird der verhangene Himmel zum Symbol für Angst und Bedrohung dieser Monate. Im Epilog wird die Stimmung von Rita aufgegriffen, nachdem sie die Geschichte erzählt hat.

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Musik und Ton

Ähnlich wie bei Good Bye Lenin dient die Musik im Film meist der Untermalung von Gefühlslagen. Der Film besteht aus ruhigen und langsamen Bildern, geprägt von tiefgründigen Dialogen. Dementsprechend harmoniert auch die Musik zu den Bildern. Die Geschichte wird zudem von einer weiblichen Erzählerin, welche nicht Rita Seidel ist, aus dem OFF kommentiert. Dabei könnte es sich um die Autorin Christa Wolf [L] handeln. Dies schafft zunächst eine Distanz zwischen Schauspieler, Erzählung und Thematik. Dadurch kann dem Film eine neutrale Position zum behandelten Thema gewilligt werden.

Mit der Musik wird die Ohnmächtigkeit Ritas symbolisiert. Vom Mann, den sie liebte verlassen, immer im Zentrum von politischen Diskussionen und Themen und das obwohl sie nur eine junge Frau vom Lande ist. Frei von all diesen politischen Problemen möchte sie doch nur glücklich sein.

Die immer wiederkehrende Melodie, welche des öfteren in Zwischenschnitten eingesetzt wird um größere zeitliche Abstände zu überbrücken, zieht sich durch den gesamten Film und steigert das Gefühl der Identifikation mit Rita.

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Die Schauspieler

Die oftmals sehr politischen Dialoge werden sehr gefasst und oftmals ohne viel Emotionen dargestellt. Dabei geht die Kamera bei den Dialogen sehr nah an die einzelnen Personen ran, besonders Rita wird des Öfteren in Close Ups gezeigt. Blicke, Mimiken und Visualisierungen Ritas Gedanken prägen den Stil des Filmes. Besonders die oftmals sehr kritischen Dialoge zwischen Manfred und Rita werden durch diese Sachlichkeit auf eine höhere, globale Ebene gebracht. Beide gelten als Repräsentanten der jeweils unterschiedlichen Weltbilder. Durch die oftmals metaphorische Sprachwah entsteht eine Art „Poesie“ Der Texte.

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Bildkomposition

Die visuellen Mittel werden in Der geteilte Himmel gezielt dazu eingesetzt um Aussagen zu Unterstreichen und ausserhalb des auditiven Rahmens zu wirken.

Die Wand im Querschnitt

Die Wand als visuelle Trennung und Verdeutlichung der Beiden unterschiedlichen Standpunkte. Diese Wand oder Mauer hat ein Ende und ist mit einem Schritt zu überbrücken.

Das Linke Bild zeigt Rita und Manfred gemeinsam, während das rechte Bild gegen Ende des Filmes gezeigt wird, zu diesem Zeitpunkt ist Manfred bereits im Westen.

Visualisierung von Standpunkten

komposition Diskussionen und besonders die Unterschiedlichen Positionen werden dabei oftmals in diesem Bildaufbau gezeigt, wie er links zu sehen ist. Diese Aufnahmen werden im Film meist durch die sogenannte Halbtotale umgesetzt. Die Schauspieler rücken in den Mittelpunkt, jedoch wird die unmittelbare Umgebung nicht komplett ausgeblendet. Da sich die beiden Meinungsträger gegenüber stehen kann es durchaus sein, dass der gesamte Bildaufbau zudem symmetrisch ist. Dies zieht sich jedoch nicht kontinuierlich durch den Film. # # # # Zum einen ist Rita die Protagonistin des Films und zum anderen wird die Geschichte weitestgehend aus ihrer Sicht erzählt. Dies wird auch bei der Bildkomposition deutlich. Nahezu immer liegt der Schwerpunkt des Bildes leicht auf Rita.

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Produkte im Fokus

Eine weitere auffallende Parallele in den beiden Filmen sind die Verwendung und pointierte Hervorhebung von Produkten, die eindeutig dem Osten oder dem Westen Deutschlands zuzuordnen sind.
In Good Bye Lenin ist Alex während des ganzen Filmes auf der Suche nach Ostprodukten oder -verpackungen, besonders nach Spreewaldgurken. Die Veränderungen im Kosumverhalten und im Angebot werden als Identifikationspunkt in der Geschichte verwendet, als ein Artefakt von Alltagskultur, die man zu inszenieren versucht. Die neuen Westprodukte oder neue Angebote wie der Besuch eines Sex-Shops im Westen sind Pointen um den Wandel sichtbar zu machen. Auch das Alex zunächst in einer Fernsehreparatur arbeitet und nach der Wende Satellitenschüsseln verkauft oder das Ariane bei Burger King anfängt, gehört in dieses Schema. Diese äußerlichen und materialistischen Veränderungen, gekrönt von der Währungsunion, die in der Geschichte thematisiert wird, sind aber nur Rahmung und untermalen lediglich die Veränderungen in den Menschen und Figuren, um die es eigentlich geht.

In Der geteilte Himmel tauchen -mehr als 40 Jahre vorher- ebenfalls Produkte fokussiert auf, sie stammen ausnahmslos aus dem Westen und werden spezifisch gezeigt und inszeniert, Ost-Produkte sind hingegen nicht zu sehen. Das Westpaket, ein klassisches Beispiel für den -vermeintlichen- Wunsch der DDR-Bürger nach westdeutschen Waren, taucht auf, aber zusätzlich sind im gesamten Film diverse weitere Andeutungen versteckt. Der Westen scheint über sein Produktangebot in den Osten überzugreifen, wie eine Art Virus, das sich immer weiter verbreitet.

Gegen Ende des Filmes gehen Rita und Manfred in West-Berlin vor einer weißen Persil-Werbung spazieren und Rita bemerkt, dass der Westen nichts anderes zu bieten hätte als eine reichhaltigere Warenwelt und das dies allein nicht für die Freiheit stehen kann, die man sich dort erhofft. Der Materialismus im anderen Deutschland wird deutlich sichtbar dem 'besseren' Deutschland, der DDR, gegenüber gestellt. Nicht zuletzt deshalb bleibt die Protagonistin in ihrem Land und erliegt offenbar nicht der Verführung bei Manfred zu bleiben. Hier wird das Produkt ein Stück weit zum Symbol für die Menschen und für einen anderen Staat, den man gezielt negativ inszenieren will.

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Die visuelle Konstruktion des Filmes ist an verschiedene Grundaspekte gebunden. Zunächst versucht der Film eine Familiengeschichte zu erzählen. Die Dialoge und Auseinandersetzungen sind die eine Säule des Filmes, damit die Charaktere sich entwickeln können. Streitgespräche werden häufig durch Aufnahmen mit der Steadycam (Handkamera) in Bewegung versetzt um dadurch eine höhere Spannung und Identifizierung mit den streitenden Figuren zu erreichen.
Es werden hin- und wieder Zeitrafferaufnahmen eingesetzt, beispielsweise als Alex und Denis das Schlafzimmer herrichten (ein Hommage an den Film “Clockwork Orange” mit der Musik von Wilhelm Tell unterlegt) aber auch pointiert bei Ankunftsszenen oder Übergangsszenen. Damit wird eine gewissen Dynamik oder auch Komik erzeugt, um damit die Dialogszenen und die tragischen Momente zu kontrastieren. Damit gibt die Inszenierung auch visuell wieder, wie der Film thematisch zwischen Komik und Tragik, zwischen Historie und Fiktion oszilliert.

Als zweite Säule kann man die historische Darstellung begreifen. Sie wird geformt durch Archivmaterial in Kombination mit korrekt nachgestellten Alltagsszenen oder Originalschauplätzen. So wird im Film beispielsweise der alte Berliner Kunsthaus “tacheles” [L] [V] gezeigt, in dem die Hauptfiguren einen Abend verbringen. Damit soll die veränderte Stimmung in Berlin im Sommer 1990 wachgerufen werden und bei allen Zuschauern, die das damals selbst erlebt haben, sollen Erinnerungen geweckt werden. Ähnlich funktioniert der Pionierausflug von Alex' Mutter zu Beginn des Filmes, der zwar wie Archivmaterial aussieht, aber diesem lediglich durch Kamera und Schnitt nachempfunden wurde. (siehe mehr zu den Medienzitaten) Die Archivcollagen werden punktuell eingesetzt um für die Szenen eine zeitliche Rahmung vorzugeben beispielsweise wenn Alex über den Tausch zur Westdeutschen Mark berichtet und die Geschichte sich dann inhaltlich auch auf diesen Aspekt bezieht.

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Musik

Die Musik von Yann Tiersen [L] vertont meist die Grundstimmung oder das vermittelte Gefühl in einer Szene. Der Stil von Yann Tiersen ist üblicherweise eher minimalistisch mit wenigen Instrumenten und so hat er auch die Filmmusik entsprechend gestaltet. Für die Figur der Lara hat Tiersen offenbar eine Art Thema komponiert, dass er im Film dann teilweise variiert verarbeitet. Das ist insofern verwunderlich, als das Lara keine der Hauptfiguren ist und trotzdem die einzige Figur, die ein Thema besitzt. Die anderen Themen stehen eher für generelle Stimmungen wie Trauer, Spannung oder Geschwindigkeit, es gibt also keine Leitmotive oder ein vergleichbares Schema. Die Musik wird auch nicht generell als Untermalung eingesetzt, sondern eher pointiert und dann auch meist ohne Dialog beispielsweise in Montagestrecken, die eine gewisse Atmosphäre etablieren.
Darüber hinaus findet Musik auch als Teil der Geschichte Platz, beispielsweise die Lieder, die von den Pionieren gesungen werden oder die Hymne der DDR, die für den letzten Fernsehbericht im Hintergrund läuft. Anders als in vergleichbaren Filmen (wie beispielsweise “Das Leben der Anderen”) wurde nicht versucht viel Musik aus der entsprechenden Zeit einzubauen. Auf dieser Ebene versucht der Film daher offenbar verstärkt eher Gefühle und Stimmungen zu kommunizieren als seine historischen Ebene wiederzugeben.
Dabei hilft die Musik häufig aus, wenn die Stimmung inhaltlich kippt. Da der Film gleichstarke tragische und komische Momente hat, ist die Funktion der Musik hier überaus wichtig.

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Einsatz von Medienzitaten

Die historische Darstellung in Good Bye Lenin wurde sehr gewissenhaft von Regisseur Wolfgang Becker [L] und seinem Drehbuchautor Bernd Lichtenberg recherchiert um den Film historisch korrekt zu inszenieren. Dies lag den Machern auch stark am Herzen, wie sie selbst sagen, weil der Zuschauer bei Fehlern, auch wenn sie im Detail lägen, möglicherweise aus dem Film getragen worden wäre. Die Geschichte wurde daher passgenau auf die historischen Ereignisse der Jahre 1989/1990 geschneidert und nutzt Medienzitate aus historischem Filmmaterial als Rahmung für die Ereignisse im Leben der Familie Kerner. Filmbeiträge wie die Ausschnitte der aktuellen Kamera, die Alex und Denis selbst erstellen, sind auch zentrale Bestandteile, damit die Illusion für die Mutter funktionieren kann. Im Interview sagt Wolfgang Becker, dass er spezifisch pointierte und starke Bilder gesucht hat um schnell an bestimmte historische Sachverhalte wie den Mauerfall oder die Fussballweltmeisterschaft 1990 zu erinnern.

Teilweise wurde Archivmaterial mit neu gedrehtem Film so montiert, dass die Unterschiede nicht sichtbar sind, wie beispielsweise bei den Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR. In den kurzen Flashbacks allerdings wird ganz deutlich zwischen den historischen und den Filmaufnahmen unterschieden. Die Medienzitate werden auch immer durch den Protagonisten im Voice-Over kommentiert und nicht einfach dem Zuschauer zur Interpretation überlassen.
Durch die enge Verzahnung von Archivmaterial mit neuem Material inszeniert der Film selbst eine neue in Teilen fiktive Realität, so wie auch Alex eine Realität im Film inszeniert.

Durch Ausnutzung bestimmter Effekte werden die Ausschnitte aber auch eingesetzt um die fiktiven Bestandteile des Filmes glaubwürdig wirken zu lassen. So werden in Denis' Beitrag der aktuellen Kamera, der die in den Osten flüchtenden Westbürger zeigt, beispielsweise konsequent Ausschnitte verwendet, in denen Menschenmengen von links nach rechts (also auf einer Karte von Westen nach Osten) durch das Bild gehen.
Darüberhinaus wurde viel Material gesichtet um als Vorlage oder Inspiration zu dienen. Einige Szenen der Demonstration am 7. Oktober 1989 sind beispielsweise damaligen Nachrichtenszenen nachempfunden worden. Besonders die Autoren des Filmes, die allesamt die DDR nicht selbst erlebt hatten, zogen das Lebensgefühl dieser Zeit aus Büchern, Ton- und Filmmaterial dieser Zeit.

Der Film kann als gutes Beispiel für manipulativen Medieneinsatz dienen, unterstützt durch das Begleitmaterial kann er im Unterrichtskontext analysiert werden und man kann daran erkennen, wie Medien eingesetzt werden, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Außerdem bietet der historische Kontext einen weiteren Ansatzpunkt für Diskussionen.

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